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Publikationen

Schneider, Wolfgang/ Fechner, Meike (Hrsg.):
IXYPSILONZETT 2016
Jahrbuch für Kinder- und Jugendtheater der ASSITEJ Deutschland
Frankfurt (Main): ASSITEJ Bundesrepublik Deutschland e.V. 2015. 70 Seiten
978-3-95749-063-6

Thema: Kinder, Theater und Krieg

Vom Inszenieren des Grauens für junges Publikum

Eine Veröffentlichung  für Kinder- und Jugentheater der ASSITEJ Bundesrepublik Deutschland e.V.

Stell dir vor, es wäre Krieg! Unvorstellbar? Auch für Kinder und Jugendliche kann das wahr werden, was wirklich keiner will: Terror und Tod, grauenhafte Gewalt und existenzielle Angst, Flucht und Vertreibung.
Vom Krieg der Kulturen ist die Rede, zu sehen ist der Krieg der Bilder. Aber in Syrien, in der Ukraine und in Nigeria ist das bittere Realität. Junge Menschen hierzulande haben eine Ahnung vom Grauen – durch mediale Vermittlung, allzu oft aber auch durch Kriegsspiele im Kinderzimmer. Deshalb gehört der Krieg auch ins Kinder- und Jugendtheater.
Denn die Darstellenden Künste für junges Publikum verstehen sich als immerzu zeitgenössisch, gesellschaftlich verortet, politisch verantwortlich. Seit dem Sommer 2015 hat sich die Situation verschärft, die Konfrontation mit Krieg ist jetzt auch im Klassenzimmer erfahrbar: Eine Million Menschen sind auf der Flucht, sie sind in Deutschland angekommen, sie suchen Schutz vor den Mördern in ihrer Heimat.
Der Klassiker ist nach wie vor "Mirad, ein Junge aus Bosnien", ein Stück von Ad de Bont, in dem Tante und Onkel vom Krieg in Ex-Jugoslawien erzählen; das Stück zum Thema ist derzeit Janne Tellers "Krieg. Stell dir vor, er wäre hier", ursprünglich ein Essay, der uns in die Situation von Menschen versetzt, die im Krieg ihre Heimat verlassen müssen, um in der Fremde neu anzufangen. Ein radikaler Perspektivwechsel.
Das kann Theater. Als Erfahrungsraum, um Welt kognitiv verstehbar und emotional erlebbar zu machen. Dabei geht es nicht um Gewaltdarstellungen oder gar um Horrorszenarien, vielmehr geht es um Kontexte und Zusammenhänge, um inhaltliche und ästhetische Herausforderungen, um Empathie und Distanz. Das Thema Krieg ermöglicht es dem Theater, mit jungen Menschen über gerecht und ungerecht zu kommunizieren, über Werte und Ideale, über die Veränderbarkeit der Welt.
Kindertheater brauche Hoffnung, sagt der Autor. Es gehe um's Erzählen, nicht um's Abbilden, meint der Regisseur. Es sei eine Frage der Ethik, pointiert die Dramaturgin. Also, worum geht es? Es geht um Haltung, um Wahrhaftigkeit, um Substanz, Relevanz und Brisanz. Nur weil die Welt in Wirklichkeit so schlecht ist, muss die Welt der zweiten Wirklichkeit auf der Bühne nicht auch noch schlecht dargestellt werden. Unsere Gesellschaft darf die Hoffnung ebenso wenig aufgeben wie den Frieden. Es braucht eine ästhetische Analogie, es braucht eine theatralische Metapher, es braucht ein dramatisches Konzept. Das Erleben in der Globalisierung bedarf eines roten Fadens. Und der heißt: Mehr Internationalität, mehr Interkulturalität, mehr Interdisziplinarität! Es könnte sein, dass der Kontext bedeutsamer wird als der Text. Fremde müssen keine Bedrohung sein, Flüchtlinge müssen nicht Angst machen, das Andere und die Anderen müssen nicht zum Ihr und Wir führen. Die gelebte interkulturelle Begegnung wäre positiv zu besetzen, insbesondere wenn die Unterschiede nicht nivelliert werden. Dabei gilt es, kulturpolitisch auch neben der Angebotsorientierung zunehmend Teilhabe zu ermöglichen. Die sogenannte "Flüchtlingskrise" ist eine politische Herausforderung, die auch und gerade von den Künsten eine Positionierung vor Ort verlangt. Sie ist aber auch eine Chance für das Kinder- und Jugendtheater, sich international, interkulturell und interdisziplinär neu aufzustellen, um die Veränderung unserer Gesellschaft mit zu gestalten.