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Publikationen

Hoffmann, Christel (Hrsg.) Israel, Annett (Mitarb.):
Gedacht - Gemacht.
Programmschriften und Standpunkte zum deutschen Kinder- und Jugendtheater von 1922-2008
Frankfurt (Main) und Berlin: Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland 2008. 256 Seiten
ISBN 3-930759-33-0, ISSN 1436-8056

Die Gründungen der Kinder- und Jugendtheater vollzogen sich in Europa im Verlauf des vorigen Jahrhunderts in drei großen Schüben. In den zwanziger Jahren waren es vor allem engagierte Künstler und Pädagogen, die eigene Ensembles bildeten, um der Verbannung der Kinder aus den Theaterhäusern, die ihnen nur zum Weihnachtsmärchen Einlass gewährten, entgegenzuwirken. Diesen hoffnungsvollen Anfängen, die ihre Parallele in der Theaterpädagogik hatten, fanden durch Faschismus und Krieg ein jähes Ende. Umso stärker waren nach 1945 die Bemühen mit allen Mitteln, auch der Theaterkunst, humanistisches Gedankengut den Heranwachsenden nahe zu bringen. Als in den sechziger Jahren junge Künstler die etablierten Theater verließen und freie Theater gründeten, brach auch für das Kinder- und Jugendtheater eine neue Zeit an. Allmählich wurde dieses „Stiefkind“ von der Theaterfamilie als künstlerische Institution adoptiert. Zunehmend werden nun beide – die Theaterkunst für Kinder und die die sie selbst hervorbringen – im Zusammenhang betrachtet.

Das Arbeitsheft versucht in Dokumenten diesen Weg bis heute nachzuzeichnen.

Ein Arbeitsheft im üblichen Rahmen der bisherigen Editionen sollte auch dieses vierte Heft werden, doch bei der Suche nach den Quellen stießen Annett Israel und die Herausgeberin auf so viel interessantes Material, dass wir es den Lesern nicht vorenthalten wollten. So wuchs die Seitenzahl um mehr als das Doppelte an. Dennoch sind wir uns bewusst, dass diese Sammlung lückenhaft ist, ja dass sie geradezu provoziert, nach Beispielen zu suchen, die in diese Publikation gehört hätten, sie werden sich ohne Mühe finden.  

Bei der Auswahl dieser Schriften versuchten wir, die Entwicklung des deutschen Kinder- und Jugendtheaters im 20. Jahrhundert in ihrem Entstehen und in ihren wesentlichen Umschwüngen zu erfassen. Dabei legten wir den Schwerpunkt auf das professionelle Theater für junge Zuschauer als einem neu entstandenen Typ von Theater, wie er sich in den letzten 100 Jahren in Deutschland herausgebildet hat. Unbestritten liegen seine Wurzeln im so genannten Theateroktober in Russland, jener kurzen Jahre gesellschaftlicher und künstlerischer Utopien, die europäische Künstler und Intellektuelle beflügelten. Heute hat sich diese Theaterkunst als Sparte an den Staats- und Stadttheatern, als freie Ensembles in festen Spielstätten in Stadt und Land und als mobile Gruppen durchgesetzt.  

Die Geschichte dieser Theater ist noch zu schreiben, dazu will das Arbeitsheft anregen und vor allem auch Lust machen.  

Obwohl das Kinder- und Jugendtheater im Ensemble der Theater landesweit einen annähernd gleichberechtigten Platz behaupten kann, ist es dennoch auch immer wieder gefährdet. Seine Eigenart bezieht diese Theaterform zwar vorrangig durch sein Publikum, aber es steht, wie Kunst und Literatur für Kinder und Jugendliche generell, in einem besonderen gesellschaftlichen Beziehungsgefüge, in dem es sich immer wieder neu, je nach aktuellen Anforderungen, bewähren muss. Es wird von Erwachsenen gemacht und beurteilt, und kann doch seine Kunst nur im Augenblick der anwesenden jungen Zuschauer verwirklichen.   

Dem Verhältnis zur Schule und zur Pädagogik kommt somit existentielle Bedeutung zu. Unter diesem Aspekt fanden auch Programmschriften zum Theater mit Kindern und Jugendlichen Aufnahme in diese Sammlung, um hier historische Berührungspunkte beider Partner zu betonen. Auch aus aktuellem Anlass scheinen uns diese Beispiele von Interesse, denn immerhin standen sie Pate bei der Geburt eines neuen Berufsbildes – dem des Theaterpädagogen. Darüber hinaus lohnt sich ihre Kenntnisnahme bei der Erprobung neuer Lernformen durch Künstler in der Schule, nicht nur in den Ganztagsschulen.   Die Geschichte des Darstellenden Spiels in der Schule mit seiner langen Tradition, verdient eine eigene Darstellung, die die grundlegenden Veränderungen im Schulspiel, die es im Verlauf seiner Entwicklung erfahren hat (über die bestehenden lokalen und einzelnen Beschreibungen hinaus) schildert.  

Dass die Geschichte sich nicht einfach vom Niedrigen zum Höheren entwickelt, kann der Leser auch an dieser Auswahl beobachten. Sicher ist manches Konzept überholt, weil es aktuell auf Zeitereignisse reagierte, trotzdem kann es heute helfen, einen eigenen Standpunkt zur Theaterarbeit für ein junges Publikum zu finden. Einige Ansätze sind vergessen und werden neu erfunden und andere zeigen, dass die Gegenwart nicht in allen Fällen das Gewesene aufhebt, indem es in neuen Formen weiterlebt, sondern durch Rückerinnerung ermutigt, wieder daran anzuknüpfen. Daher folgen auch die Kapiteleinteilungen eher dem Trend des jeweiligen Jahrzehnts als einer Chronologie.  

Wir danken allen Kolleginnen und Kollegen an den Theatern für ihre Mitarbeit, denn ohne sie wäre dieses Arbeitsheft nicht zustande gekommen. Sie haben ihre Aussagen zu ihrer künstlerischen Arbeit auf ihre Programmatik hin überprüft, zur Verfügung gestellt oder so gar für dieses Arbeitsheft zu Papier gebracht.   

Christel Hoffmann