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Publikationen

Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.):
Augenblicke.
Zum Theater für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Kirschner, Jürgen (Red.)
Frankfurt (Main): Verlag der Autoren 1992. 154 Seiten
ISBN 3-88661-137-X

Wenn Kinder oder Jugendliche heute ins Theater gehen wollen, können sie aus einem facettenreichen, breiten Angebot schöpfen. Die einen Theatermacher verzaubern ihr Publikum mit prachtvollen Märchenaufführungen, andere führen Kindern und Jugendlichen ihre alltägliche Welt und Umwelt vor, wieder andere locken mit fremden Kulturen und Phantasien, manche ermöglichen es, daß das Auditorium selbst zum Mitspieler wird. Im Wettstreit miteinander hat sich eine lebhafte Diskussion über Geschichten, Strukturen und Wirkungen entwickelt. Seitdem die Kinder- und Jugendtheater der sogenannten neuen und alten Bundesländer sich im vereinten Deutschland begegnen, ist die Leidenschaftlichkeit der Auseinandersetzung gewachsen, die sich erstmals auf einem gemeinsamen großen Festival, dem 1. Deutschen Kinder- und Jugendtheatertreffen in Berlin 1991, äußerte. Das Buch dokumentiert die verschiedenen Theaterrichtungen, vergleicht Arbeitsweisen, vermittelt Kritiken und beantwortet Fragen zum augenblicklichen Stand des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland.

Alles nur Kindertheater  

Peter Ensikats satirische Vorgabe

Was das Kindertheater von allen anderen Theatern unterscheidet, das ist vor allem die große Liebe, die alle Kindertheaterleute verbindet. Da gibt es keine Intrigen gegen-, sondern nur untereinander. Denn alle sitzen in einem Boot und rudern. Das Schöne daran ist, daß jeder in seine Richtung rudert und damit das gemeinsame Boot weder besonders vorwärts, noch besonders rückwärts, sondern " hauptsächlich auf der Stelle bewegt" wird. Da das Kindertheater in dem Ruf steht, eigentlich gar kein richtiges Theater zu sein, ist der Lieblingsvorwurf unter Kindertheaterleuten auch der: Der jeweils andere mache gar keine richtige Kunst. Kunst aber fängt oft erst da an, wo die Kinder aufhören zuzuhören. Da können die Theaterleute mit ihren tieferen Seinsfragen beginnen. Daß es auch im Kindertheater noch eine Vorstellung nach der Premiere gibt, ist für Schauspieler zwar manchmal frustrierend. Die Theoretiker kann es nicht beirren. Sie bleiben bei ihrer heiligen Premierenpraxis. So wartet denn so manches Kindertheater immer noch vergebens auf Godot. Statt seiner kommen lauter dumme Gören, die die höhere Kunstausübung nur stören. Allerdings gibt es auch im Kindertheater immer mal wieder Publikumserfolge. Diese Erfolge werden von ihren Verursachern manchmal für Kunst gehalten, während alle anderen darüber nur lächeln können. Publikumserfolge müssen jedem Fachmann einfach verdächtig sein. Denn wenn sie es nicht wären, hätte er, der kritische Fachmann, ja auch welche haben müssen. Aber wieviele von uns Fachleuten machen seit vielen Jahren völlig erfolglos die größte Kunst? Nach einer Premiere ist ausschließlich die Morgenpresse wichtig, nicht aber die Nachmittagsvorstellung. Eine gute Kritik kann man im Gegensatz zum schlechten Publikum unbegrenzt vervielfältigen.Was mich in den vielen Jahren meiner praktischen Kindertheaterarbeit immer besonders begeistert hatte, das waren die zahlreichen Festivals, auf denen man das reine Kindertheater sehen durfte und darüber diskutieren konnte, ohne daß einem die Langeweile von fünfhundert Kinderfüßen dazwischenkam. Endlich mal Kindertheater als Kunst an sich, nicht für ein sachverständiges Publikum. Als Schauspieler hatte ich ja jahrelang mit diesem furchtbaren Publikum zu kämpfen. Immer, wenn wir da oben unsere Sorgen so kunstvoll miteinander verhandelten, redeten die bösen Kindlein dazwischen. Wir Erwachsenen sollten nicht so tun, als wären wir für die Kinder da. Die Kinder sind doch nur da, um einmal genauso zu werden wie wir. Wir mußten ja schließlich auch erst so werden. Und das war kein Spaß.  

Was mich mit Volker Ludwig verbindet, ist der gegenseitige Neid. Ich hätte gern seine Tantiemen, während er gerne meine Stücke geschrieben hätte. Sowas sagen wir uns natürlich nie ins Gesicht. Von Angesicht zu Angesicht sagen wir uns gar nichts. Wir lächeln uns nur an, und jeder denkt sich seinen feindlichen Teil. Als ich von dem Gerücht hörte, daß er beabsichtige, das Theater der Freundschaft zu besetzen, begann ich, das Grips Theater zu unterwandern. Noch spielt man dort seine Stücke, aber bereits mit meiner Betonung. Einig sind wir uns nur darin, daß wir einander bekämpfen müssen. Jetzt, da sich der Ost-West-Konflikt von der staatlichen Ebene auf die private verlagert hat, muß schon jeder selbst sehen, woher er sein Feindbild bezieht. Aber da bin ich guter Hoffnung. Wohin ich auch schaue, überall sehe ich, wie aus der heimlichen Liebe von einst eine unheimlich offene Feindschaft entsteht. Was früher im Regen stand, steht jetzt in den Herzen - die innerdeutsche Mauer. Sorgen wir, daß das Kindertheater in diesen Kämpfen unserer Zeit nicht zurücksteht. Also schlagt euch, wo ihr euch trefft.