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Publikationen

Richard, Jörg (Hrsg. für die ASSITEJ BRD):
Jugend-Theater.

Frankfurt (Main): Haag + Herchen 1996. 223 Seiten
ISBN 3-86137-435-8

Jugendtheater - Kritiker, Wissenschaftler, Dramatiker und Praktiker des Theaters entfalten einen breiten Themenhorizont: Jugend im Drama der Weimarer Republik, Jugend heute und ihre medialen Interessen, Stücktypen und Inszenierungsformen, das Generationsverhältnis auf der Bühne und im Publikum, Mythos als Erzählstoff, Techno als Theater sowie Berichte über einzelne Bühnen. Immer wiederkehrend stellen die Autoren die Frage nach der Notwendigkeit und der Besonderheit eines Spezialtheaters für Jugendliche. Engagiert wird um sein Selbstverständnis gerungen. Es ist zu nachzulesen: Die Möglichkeiten dieses Theaters sind noch offen. Verschiedene Vorschläge zur Theaterarbeit werden gemacht, Beobachtungen zum Stand des professionellen Jugendtheaters heute sind kritisch dargelegt. Über die Diskussion des Jugendtheaters hinaus ist dieses Buch zudem ein Beitrag zur aktuellen Auseinandersetzung über Theater, Kultur und Jugend in unserer Gesellschaft.

Vorwort

Jugendtheater – ein angestaubtes Wort, sogar vom Duden verschmäht. Assoziiert nicht jeder Jugendliche " voll out" und meint im Grunde die Schaubühne als pädagogische Anstalt zwischen Bildungsbeflissenheit und Schülerverdruß – und sucht das Weite? Oder ist Jugendtheater – eine jugendlebendige, vielfältige Theaterpraxis heute? Eine ästhetische Herausforderung für jeden Theatermacher? Ein Produkt der allgemeinen Verunsicherung, was Jugend ist, was Theater soll? Ein lukrativer Markt, weil dankbar und vielzählig das Publikum? Ein Theater im Übergang zu Techno und Videoclip? eine uralte Nachahmungskunst, gezeugt aus existentiellem Spielbedürfnis? Eine neue Wahrnehmungswelt, Spiel als Simulation? Ein Theater ohne Publikum? Ein Zeit-, ein Uraufführungstheater? Eine Theateravantgarde? Eine Zwangskulturspeisung für Schüler? Ein gesetzlicher Bildungsauftrag? Eine Geschichte erzählen in chaotischen Zeiten? Ein Thementheater, ein Klassikervereinfacher oder eine Revue? Ein Familientheater? Ein Zielgruppentheater? Kein Spezialtheater, schlicht: Theaterkunst? Live! Ein Wort gibt das andere und so fort. Alles zusammengenommen, ist das – Jugendtheater? Diese Fragen markieren Stichwörter, die den Diskussionshorizont dieses Bandes spiegeln. Deutlich wird in den Argumentationen seiner Autoren, daß sie den Begriff Jugendtheater zumeist mit einem Fragezeichen versehen. Jugendtheater ist nicht isoliert als ästhetisches oder jugendkulturelles Spezialphänomen zu betrachten, wenn man es verstehen und beschreiben will. Nachfrage tut not nach dem Verhältnis von Theater und Gesellschaft, Jugend und Kultur. Wenn das allgemeine, das sogenannte Erwachsenen-Theater bereits in einen Begründungsnotstand versetzt wird in einer Zeit des schnellen gesellschaftlichen Wandels, seine kulturelle Bedeutung zu behaupten, so wirkt die bloße Verbindung von Jugend und Theater wie ein transrapider Kulturbrauch: Prädikat " besonders wertvoll" , aber ohne Verortung in der Jugendkultur. Das Gütesiegel der Geistes- und Herzensbildung, dieser historische Prägestempel des Theaters, hat in der Erlebnisgesellschaft ausgedient. Wer dem Event nachjagt, pfeift auf kulturelle Tradition und Werthierarchien. Für das alte und ehrwürdige Kulturgut Theater gibt es keinen wert an sich mehr. Der Markt ordnet, was die Kulturindustrie liefert. Das Theater muß sich seine kulturelle Position in ganz neuer Gesellschaft erwerben, und zwar mit jeder Aufführung aufs neue. Was für alle Theatersparten gilt, gilt für das Jugendtheater besonders zwingend. Seine Konkurrenten heißen: Musik und noch und noch Musik, Musik von der CED bis zur Techno-Party, Medien wie TV und Computer, Kino, Comics, Zeitschriften, elektronische und andere Spiele, Shopping, Sport – die große weite Welt der Freizeit und Jugendkultur. Durchgängig fließen Reflexionen über diese Ausgangssituation in die Verschiedenen Problemstellungen der Aufsätze mit ein. Vor allem jedoch setzen sich die Autoren wiederkehrend in ihren Beiträgen mit der Spartenbesonderheit des Jugendtheaters auseinander, und zwar von höchst unterschiedlichen Positionen, auch mit entgegengesetzten Perspektiven. Es ist zu spüren, dieses Theater ist noch nicht festgelegt. Um sein Selbstverständnis wird noch engagiert gerungen. Seine Praxis ist lebendig, seine Möglichkeiten sind offen. Zur besseren Orientierung ist die Vielfalt der Fragestellungen in diesem Buch nach thematischen Schwerpunkten in drei Abschnitte gegliedert, ohne daß damit eine strenge Systematik beansprucht werden kann. [...]

 

Jörg Richard