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Publikationen

Fangauf, Henning (Hrsg.):
Blickwechsel.
Fünf Stücke für ein Theater der Generationen
Wilhelmshaven: Florian Noetzel Verlag 1997. 156 Seiten
ISBN 3-7959-0717-9
Diese Publikation können Sie nur über den Buchhandel beziehen.

In einem großangelegten Projekt hat das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten drei Jahren Autorinnen und Autoren ermutigt, Stücke zu schreiben, die den Dialog zwischen den Generationen zum Thema haben und ihn somit befördern. Ziel ist es, den Kinder- und Jugendtheatern, die den Begriff des Familientheaters mehr und mehr für sich beanspruchen, eine dramatische Literatur zur Verfügung zu stellen, die alle Altersgruppen anspricht. Es geht um die Wiederentdeckung des Volkstheaters.

Erstmals werden in diesem Band Stücke vereint, die durch den Dialog, wie er zwischen Enkeln und Großeltern geführt wird, thematisch miteinander verbunden sind. Gerade die Großelterngeneration rückt für viele Dramatiker in den neunziger Jahren in den Mittelpunkt ihres Interesses. Lebenswirklichkeiten und -erfahrungen werden befragt und in Zusammenhang mit der sozialen Lage junger Leute gebracht. Die Stücke eignen sich sowohl für das professionelle Theater als auch für Theatergruppen, in denen Alt und Jung gemeinsam auf der Bühne stehen möchten.

Der Herausgeber ist Stellvertretender Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland in Frankfurt am Main. Er führt seit Jahren Dramatiker-Werkstätten durch und ist auf dem Gebiet der Autorenförderung tätig. Von ihm liegen weitere Publikationen und Beiträge über die dramatische Kinder- und Jugendliteratur vor.

KAITUS DER ZAUBERER

< > Eine Straße in Warschau. Kaitus erprobt seine Zaubermacht und läßt Autos rückwärts fahren und über die Dächer rollen, stellt Bäume auf den Kopf, zaubert einen Sonnenuntergang, läßt Fische durch die Straße schwimmen, Mäuse auf Katzenjagd gehen usw.

Zuletzt hetzt er einen Hund und eine Katze aufeinander. Der Hund bleibt verletzt liegen. Kaitus erschrickt.

Ein Mädchen, die zehnjährige Soschia, kümmert sich um den Hund.

Der kleine Kaitus stellt sich schüchtern daneben.

KAITUS: Hat er was?  

SOSCHIA: Glaub schon.  

KAITUS: Moment.Das haben wir gleich.Bramara, Rumkara.    Schnipp! Zack! Der Hund ist verschwunden.

SOSCHIA: Huch.  

KAITUS: So.  

SOSCHIA: Wo ist er?  

KAITUS: Weg.  

SOSCHIA: Wo ist weg?  

KAITUS: Zuhause.  

SOSCHIA: Aber er ist verletzt.  

KAITUS: Zuhause kann sich jemand um ihn kümmern.  

SOSCHIA: Und wenn da keiner ist?  

KAITUS: Hm. Bramara Rumkara Dusch Baff. Der Hund ist wieder da und jault erschrocken. Besser so?  

SOSCHIA: (streichelt den Hund und singt)

  „Heile heile Segen,

  Drei Tage Regen,

  Drei Tage Sonnenschein,

  Dann wird es vergangen sein"

Der Hund beruhigt sich.

KAITUS: Das war doch ein Zauberspruch?  

SOSCHIA: Glaubst du?  

KAITUS: Na ja, so ähnlich.  

SOSCHIA: Hilft aber nicht immer.  

KAITUS: Aber immerhin.  

SOSCHIA: Und wie zauberst du?  

KAITUS: Ich wünsch mir was, und dann Schnipp und Zack.  

SOSCHIA: Und das hilft?  

KAITUS: Es klappt. Alles kommt wie ich will. Der Hund knurrt. Nur anders als gedacht. Man muß ziemlich aufpassen.Aber wir können uns ja öfter treffen, und dann zaubern wir zusammen. Wie heißt du?  

SOSCHIA: Soschia.  

KAITUS: (verträumt) Soschia.  

SOSCHIA: Und du?  

KAITUS (verträumt), Kaitus.Kaitus der Zauberer.  

SOSCHIA: Und was bringst du mir bei?  

KAITUS: Wie man keine Hausaufgaben machen muß. Einen Zloty findet. Den kann man dann verschenken. Wie man Tote weckt. Die Stadt erschreckt. Undsoweiter. Alles was du willst!  

SOSCHIA: Ich weiß nicht, ob ich das alles will.  

KAITUS: Es ist schon schwierig mit den Wünschen.

Verlegene Pause. Beide schauen einander schüchtern an.   [...]

Tristan Vogt