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Verleihung des Deutschen Kindertheaterpreises und Deutschen Jugendtheaterpreises 2018

Im Kaisersaal des Frankfurter Römers überreichte Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, am Abend des 1. November 2018 die beiden wichtigsten deutschen Staatspreise für dramatische Literatur für Kinder und Jugendliche, die mit jeweils 10.000 Euro dotiert sind. Erstmals wurden ausdrücklich auch die Leistungen der Übersetzer*innen bei fremdsprachigen Stücken gewürdigt: Preise und Prämien gehen zu jeweils gleichen Teilen an die Autor*innen und beteiligte Übersetzer*innen.

Den Deutschen Kindertheaterpreis 2018 erhält Fabrice Melquiot (Frankreich) für sein Stück »Die Zertrennlichen« (Felix Bloch Erben Verlag für Bühne Film und Funk, Berlin), in der Übersetzung von Leyla-Claire Rabih und Frank Weigand.
Der Deutsche Jugendtheaterpreis 2018 geht an Dino Pešut (Kroatien) für »Der (vorletzte) Panda oder Die Statik« (henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag, Berlin), in der Übersetzung von Alida Bremer, unter Mitarbeit von Sonja Anders und Friederike Heller.

In der Laudatio für Fabrice Melquiot lobte Karola Marsch stellvertretend für die Jury das Stück als große Tragödie um Liebe, Macht und Herrschaftsansprüche für Kinder. Die Konstruktion des Textes sei ungewöhnlich im Theater für Kinder und überaus bemerkenswert: Melquiot greife zu mythischen, archaischen Gestalten und verschaffe den Kinderfiguren einen eigenen, von der Außenwelt unantastbaren Raum.
In der Jury-Laudatio für Dino Pešut würdigte Christoph Macha das Stück als eines der politischsten des aktuellen Jugendtheaters. Modellhaft verhandele es am Beispiel der gesellschaftlichen Konflikte in Kroatien die großen Krisen der Demokratie, Turbo-Kapitalismus, Angst vor dem Fremden sowie den Verlust von menschlichen Werten. Das Stück mache in messerscharfen Sätzen und knappen Repliken sehr deutlich: Leute, wir müssen aufstehen!

Die Jury hat zudem zwei Sonderpreise für Studierende des Szenischen Schreibens an Fabienne Dür (für »Zu wenig Wut oder So etwas passiert doch hier nicht«) und Vera Schindler (für »Allahu Akbar«), beide Universität der Künste Berlin, verliehen.

Der feierlichen Zeremonie wohnten ca. 200 Gäste bei, darunter Mitglieder der Stadt-verordnetenversammlung, Autor*innen und weitere Teilnehmer*innen des 30. Frankfurter Autor*innenforums für Kinder- und Jugendtheater, das vom 1. bis 3. November 2018 im Theaterhaus Frankfurt stattfand.
Die beiden Staatspreise für dramatische Kinder- und Jugendliteratur werden alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vergeben. Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland (KJTZ) ist mit der Durchführung des Auswahlverfahrens und der Preisverleihung beauftragt.