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Publikationen

Fangauf, Henning (Hrsg.):
Theater der Generationen.
Fünf neue Stücke
Wilhelmshaven: Noetzel, Heinrichshofen-Bücher 2000. 197 Seiten
ISBN 3-7959-0783-7

Wurde in den letzten zwei Jahrzehnten die Autonomie des professionellen Kindertheaters als Emanzipation gegenüber dem sogenannten " Erwachsenentheater" gefeiert, so führt das neue Selbstbewußtsein der Theater zu veränderten Perspektiven. Immer mehr Kindertheater gehen dazu über, sich allen Altersschichten der Gesellschaft zu öffnen. Sie suchen mit ihren Aufführungen und auch mit ihren theaterpädagogischen Aktivitäten den Kontakt zu Jung und Alt. Dazu benötigen die Theater die entsprechende dramatische Literatur. Wer die Spielpläne des zeitgenössischen Kinder- und Jugendtheaters studiert, stößt auf zahlreiche Stücke, in denen alte und junge Figuren und Rollen gemeinsam ihre Sichtweisen auf das Leben und die Welt zum Ausdruck bringen. 

In diesem Band sind fünf aktuelle Theaterstücke für ein Theater der Generationen abgedruckt. Ihnen gemeinsam ist ein inhaltlicher Zugriff. Allen ist gemeinsam der Austausch von Lebenserfahrungen älterer Menschen mit der Lebensneugier von Kindern und Jugendlichen. Die Stücke können sowohl vom professionellen- als auch vom Amateurtheater gespielt werden. Der Band enthält folgende Stücke: Paul Maar / Christian Schidlowsky: F.A.U.S.T. Gotthart Kuppel: Der Atlantisspinner Mike Kenny: Joshs wundersames Abenteuer mit dem Delphin Lisa Rose-Cameron: no stairway to heaven Charles Way: Auf der Suche nach Odysseus.

Die Publikation erscheint als Band 10 der Theaterpädagogischen Bibliothek des Verlages Heinrichshofen Bücher und ist als Folgepublikation des 1997 erschienenen " Blickwechsels" , der ebenfalls fünf neue Stücke zu diesem Komplex veröffentlichte, anzusehen. Er ist Teil des Innovationsprogramms des Bundesjugendministeriums zur Verbesserung des Dialoges der Generationen.

Paul Maar und Christian Schidlowsky: F.A.U.S.T. 

Furiose Abenteuer und sonderbare Träume 

 

1. A K T 

0. Einlaß

Vier Schauspieler in mittelalterlichen Kostümen stehen vor den vier Einlasstüren des Zuschauerraums, vermitteln einen Eindruck von der Zeit, in der das Stück spielt: Ein Mönch schwenkt das Weihrauchfass und fordert die Eintretenden zur Buße und zur Umkehr auf, warnt die Sünder vor der Hölle und die Rechtschaffenen vor den Versuchungen des Teufels. Ein altes Kräuterweib lässt an getrockneten Heilkräutern und aromatischen Ölen riechen, verteilt Kräuterpastillen. Ein Bettlerjunge auf Krücken bittet um eine milde Gabe: „Haste mal nen Kreuzer?“. Ein eitler, reicher Junker betrachtet sich von allen Seiten im Spiegel, rückt seinen Federhut zurecht, wechselt seine Kopfbedeckungen und fragt die Kinder, ob ihm der Hut oder eine Samtkappe besser steht. Dazwischen agiert der Musiker, als Narr gekleidet, spielt mittelalterliche Weisen auf dem Dudelsack oder der Drehleier.

Wenn alle Zuschauer auf ihren Plätzen sitzen, gehen die Fünf durch den Zuschauerraum auf die Bühne, Lichtwechsel, das Stück beginnt.

 

1. Die Moritat vom Doktor Faust 

ALLE (gesungen) Es kam ein Mann aus dem Schwabenland,

aus Knittlingen, so wird's genannt,

der war in aller Welt bekannt,

das war der Doktor Faust.

 

War Magier und Zauberer,

auch Alchimist und noch viel mehr,

die Leute kamen von weit her

zum Doktor Johann Faust.

 

Die Moritat wird jäh unterbrochen. Der Bettler und der Junker werden zu FAUST und RUFUS, steigen in die Szene ein. Der Bettlerjunge Faust hat ein Bein hochgebunden oder schleift es nach, bewegt sich aber schnell und geschickt mit seiner Krücke.

RUFUS: He, Faust!

FAUST: Rufus?

RUFUS: Was machst du auf unserem Hof, Faust? Willst wohl wieder stehlen? Verschwinde, sonst werd ich meinen Vater holen, der wird dir die Ohren schlitzen, du Dieb!

FAUST: Laßt mich, Junker Rufus! Ich hab nichts gestohlen. Hab nur Euren Koch um einen Teller Suppe gebeten.

RUFUS: Faust, bei uns wird nicht gebettelt!

ALLE: Bettler, Bettler!

RUFUS: Verschwinde!

FAUST: Bin ja schon weg, Junker Rufus.

RUFUS: Und komm bloß nicht wieder!

FAUST: (aus sicherer Entfernung) Spielt Euch nur auf, Rufus! Nur weil Euer Vater der Stadtvogt ist!

RUFUS: Du weißt ja nicht mal wer dein Vater ist!

FAUST: Junkersöhnchen!

(Rufus, wütend, stürzt ihm nach, dabei:)

RUFUS: Hurenbalg!

(Die beiden gehen ab, die Übrigen fahren mit der Moritat fort:)

 

Gesunge Die Mutter ledig, hat keinen Mann,

das Kind verhöhnt, und doch wird's dann

der vielgerühmte Wundermann,

der Doktor Johann Faust.

 

 

Die Ahne wird als Hexe verschrien,

sie stellt sich taub, sie hört nicht hin,

sie liebt den Enkel, fördert ihn,

und er wird Doktor Faust.

 

(Die Moritat wird ein zweites Mal unterbrochen, Rufus hat das Bettlerkind Faust am Kragen, stößt ihn dann weg)

RUFUS: He, Faust! Hab ich dir nicht gesagt, du sollst dich hier nicht mehr blicken lassen!

FAUST: Laßt mich!

 

RUFUS: Er stinkt. 

Stinkt wie des Teufels Großmutter! Und wie seine eigene. Bestimmt hast du auch Läuse und Wanzen wie sie! 

Johann Faust,

bist verlaust!

Hast Läuse 

Groß wie Mäuse!

 

 

ALLE: Johann Faust,

bist verlaust.

Hast Läuse 

groß wie Mäuse.

 

FAUST: Bösmäuler! Dumme Affen!

(Empört rennen Rufus und die anderen hinter Faust her. Alle ab, nur der Narr bleibt zurück)

 

NARR: (gesungen) Das liegt zurück, schon sehr, sehr weit,

das war schon lang vor unsrer Zeit.

Von dieser Zeit erzähl‘n wir heut

und von dem Doktor Faust.