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Publikationen

Schneider, Wolfgang (Hrsg.)::
Theater und Jugendschutz.
Aids, Sucht, Gewalt als Themen auf der Bühne. Rothe, Silke (Red.)
Weinheim: Juventa 1993. 152 Seiten
ISBN 3-7799-1019-5

Die Lust am Genuß, die Lust an der Unvernunft ist groß, sagen Jugendschützer. Grenzüberschreitungen seien die Regel im jugendlichen Alltag. AIDS, Sucht, Gewalt sind Herausforderungen und Risiken unserer Zeit. Im Jugendschutz wird bis heute versucht, Gefährdungen für Kinder und Jugendliche über den Verstand in den Griff zu bekommen. Mittlerweile ist aber vielen klar, daß die klassische Aufklärung nur einen Bruchteil der Jugendlichen erreicht. Sollen Jugendliche jetzt mit dem Theater bekehrt werden? Ist das Medienpaket mit der Theateraufführung der neue Ansatz zur Drogenbekämpfung? Wieviel Theater verträgt der Jugendschutz? Und: Wieviel Jugendschutz verträgt das Theater? Welche Impulse sollen eigentlich von einem Jugendschutz-Theater für die inhaltliche und ästhetische Diskussion ausgehen? Die Beiträge dieses Bandes beleuchten die verschiedensten Aspekte des Theaters zu jugendrelevanten Themen.

Fangen die Probleme erst mit 14 an?
Theater als Lebenskompetenzförderung

Kindertheater als Kompensation

Kindertheater hat in unserer Gesellschaft unausweichlich eine Ersatzfunktion.

Das Interesse des Jugendschutzes dokumentiert dies ohnehin: Das Kindertheater ist immer auch in einer Kompensationsrolle. Das bedeutet nicht, daß es nur mehr auf Probleme, auf Defizite reagieren müßte, daß nicht innovative Impulse von ihm ausgehen könnten.

Gabi Mankau vom Frankfurter Kinderbüro wies jedoch darauf hin, da es grundsätzlich Teil einer Angebotskultur für Kinder und ihre Eltern ist, die erst so notwendig und so stark nachgefragt worden ist, weil den Kindern andere, teurere Ressourcen nicht mehr zur Verfügung stehen. Natur und Grundstücke sind es, die heute wirklich Geld kosten, zuviel Geld für Kinder. Da ist unter anderem Kindertheater schon eher bezahlbar.

Es wäre unsinnig zu behaupten, Kindern sei das Theaterspiel fern gewesen, vor der Verbreitung der Kindertheaters. Kinder spielen ihr Theater selbst, schlüpfen in Rollen, um sich darin auszuprobieren, um Handlungsstrategien zu erproben.

In einer Gesellschaft, in der es den Kindern immer weniger möglich ist, ihre „Lebenskompetenz" selbständig zu steigern, weil es immer weniger Raum dafür gibt, ist dies eine Aufgabe auch der Kindertheater geworden.

Das Kindertheater muß sich statt dessen bewußt sein: Seine Verbreitung verdankt es, auch wenn sie aus denselben Gründen immer noch mangelhaft gefördert wird, paradoxerweise gerade einer strukturell kinderfeindlichen Gesellschaft. Diese Strukturen mitzuinszenieren, scheint sich als eine besondere Verantwortung aus dieser Tatsache zu ergeben.

Dem Theater mit Kindern haftet diese Ersatzfunktion vielleicht am offensichtlichsten an. Es versucht ganz direkt, Kinder wieder zu Rollenspielen zu animieren und ersetzt damit natürliches Verhalten in direkter Weise. Seine lebenskompetenzsteigernde Wirkung liegt damit allerdings ebenfalls auf der Hand, offensichtlicher als das im Theater für Kinder der Fall ist.

Wir fragen uns: Lassen sich vielleicht dennoch die beim Theater mit Kindern ablaufenden Prozesse auf Theater für Kinder übertragen?
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Silvia Deinert