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Publikationen

Henning Fangauf (Hrsg.):
Jugendtheater im Deutschunterricht.
Stücke und Materialien für den Unterricht von Thomas Ahrens, Lutz Hübner und Tatjana Rese
Wilhelmshaven: Noetzel, Heinrichshofen Bücher 2006. 170 Seiten
ISBN 3-7959-0874-4

In der aktuellen Diskussion über das Leseverhalten junger Menschen und die Didaktik des Dramas im Deutschunterricht spielt das zeitgenössische Jugendstück eine immer größere Rolle. Ihre Themen und Sprache sowie die Figuren, die eng mit den Lebensgefühlen der Jugendlichen verbunden sind, wecken das Lektüreinteresse der Schüler und ermöglichen einen engagierten Unterricht.  

In der theaterpädagogischen Bibliothek des Florian Noetzel Verlags der Heinrichshofen Bücher Wilhelmshaven ist nun als Band 13 " Jugendtheater im Deutschunterricht" erschienen.Der Herausgeber hat drei Stücke des aktuellen Jugendtheaters in diesem Band vereint und auf ihre Tauglichkeit für eine Lektüre in der Sekundarstufe I überprüft. Die ausgewählten Materialien eignen sich für Schüler und Lehrer als Information. Der Band enthält den Abdruck der Stücke " Der Ball ist rund" von Thomas Ahrens, " Nellie Good Bye" von Lutz Hübner und " Blueprint" von Tajana Rese nach dem Jugendroman von Charlotte Kerner. Er schließt eine Lücke auf dem Buchmarkt für die Schulen.Die enthaltenen Interviews mit den Autorinnen und Autoren sind Originalbeiträge für das Buch.  

Den Lehrerinnen und Lehrern wird mit " Jugendtheater im Deutschunterricht" die Möglichkeit gegeben, sich über aktuelle Jugendstücke zu informieren und diese im Unterricht anzuwenden. 

Henning Fangauf

Stücke des Jugendtheaters für einen zeitgenössischen Deutschunterricht  

" Ich würde mir wünschen, dass man vielleicht sogar versucht, in der Grundschule, in der vierten Klasse meinetwegen, auch mal einen Theatertext, also Dialoge zu lesen." Paul Maar(1)

Die Schule ist in Bewegung. Um das zu belegen muss an dieser Stelle nicht " PISA" und der daraus abgeleitete " Schock" bemüht werden. Reformbewegungen im Schulsystem sind zurzeit in alle Bundesländern zu finden. Die Schulen erhalten mehr Selbstständigkeiten, Kernlehrpläne sollen Bildungsstandards sichern aber auch Freiräume zur Vertiefung und Erweiterung von Schülerwissen ermöglichen, Lernergebnisse sind gefragt und der verkürzte gymnasiale Bildungsgang G8 erfordert neue Lehrpläne.  

Dem Fach Deutsch kommt in dieser Zeit eine besondere Bedeutung zu." Deutsch ist das grundlegende Fach, um Kommunikation zu gewährleisten und Sinn- und Wertorientierungen in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft zu vermitteln"   (2) heißt es im Lehrplan (LP) des Hessischen Kultusministeriums.  " Bei der Auswahl der fachspezifischen Inhalte ist die Relevanz der Themen und Gegenstände für die Lebenswirklichkeit und im Hinblick auf den Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler angemessen zu berücksichtigen"   (3) mahnt der Lehrplan des Landes Nordrhein-Westfalen an.  

Es muss beim Literaturunterricht stets um ein  " Optimum, niemals um ein Pensum"   gehen, wie es in der Einleitung " Literatur in der Schule" des Landes Baden Württemberg heißt.  " Schule hat auch die Aufgabe, Autorinnen und Autoren sowie Werke zu tradieren, die zum Grundbestand unserer literarischen Kultur zählen. Dabei dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, was Schülerinnen und Schüler wirklich interessiert. Lehrerinnen und Lehrer sind einer Spannung ausgesetzt: Auf der einen Seite müssen sie an Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler anknüpfen, auf der anderen Seite kommt dem Deutschunterricht auch die Aufgabe zu, dazu beizutragen, das kulturelle Gedächtnis der deutschen Sprachgemeinschaft zu bewahren…" (4)  

In den bekannten Arbeitsbereichen des Faches Deutsch, also" Sprechen und Schreiben Lesen und Umgang mit Texten sowie Reflexion über Sprache" (LP Hessen) spielt der Dramenunterricht in allen Bundesländern eine wichtige Rolle. Die didaktisch-methodischen Kategorien, die vielen Lehrplänen vorangestellt sind und der Strukturierung von Inhalten und Organisation von Unterricht dienen, empfehlen: 

- Schülerorientierung  Die Inhalte des Deutschunterrichts müssen für die Schüler " subjektiv bedeutsam sein" .  

- Problemorientierung  Der Deutschunterricht muss " auf die Auseinandersetzung mit alterspezifischen Problemen" zielen.  

- Handlungs- und Produktionsorientierung  In szenischen Lesungen kann ein ich-bezogener und spielerischer Umgang mit Literatur und Sprache gelernt werden. (LP Hessen)  

Das vorliegende Buch eröffnet Lehrerinnen und Lehrern, die in der Sekundarstufe I im Deutschunterricht ein Drama als Ganzschrift mit ihren Schülern lesen möchten, eine neue Perspektive. Die Lektüre von Dramen muss sich nun nicht länger auf die wohlbekannten Klassiker – auch die der Moderne – erschöpfen, sondern kann anhand der hier abgedruckten Stücke des aktuellen Jugendtheaters erfolgen. Aktuelle Erfahrungen an einigen Schulen haben gezeigt, dass z.B. Stücke von Lutz Hübner von der Schülerschaft aufgeschlossener gelesen werden als die seit Jahren wiederkehrenden Klassiker.  

Die Vorzüge der Lektüre einer Ganzschrift aktueller Jugendstücke liegen auf der Hand: ihre zeitgemäße Sprache und Themen sind verständlich und nehmen" die Reflexion der eigenen Lebenswelt der Schüler"   (LP Hessen) auf, die gleichaltrigen Heldinnen und Helden der Stücke schaffen schnelle Identifikation und ermöglichen die  " Untersuchung der Dialoge im Hinblick auf die Konstellation der Figuren"   (LP NRW). Die Konflikte in den Jugendstücken sind lebensnah, die Formen einfach und die    " Länge der Stücke ist überschaubar"   (LP Niedersachsen).  

Weitere Argumente sprechen für die Lektüre von Jugendstücken und erfüllen die Maßgaben vieler Lehrpläne. So lässt sich zum Beispiel ein moderner themenorientierter Unterricht leicht mit der Beschäftigung und Lektüre eines Jugendstückes durchführen. Auch die Möglichkeit, die Autorinnen und Autoren der Stücke in den Unterricht einzuladen und gemeinsam mit ihnen eine Schreibwerkstatt oder eine Lesung durchzuführen, spricht für diese zeitgenössische Dramatik. Denn in der Begegnung mit Texten und ihren Verfassern wächst Bildung.  

Unter diesen Aspekten wurden auch die in diesem Band versammelten Stücke ausgewählt.  

" Der Ball ist rund"   von Thomas Ahrens ist ein Quell voller Ideen für einen themenorientierten Unterricht: Globalisierung, Fußball, Schule, Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen – eine wahre Fundgrube. Dem Autor ist es gelungen, aufgrund der sehr genauen Recherche unserer Lebenswelt ein Stück heutige Sozialgeschichte geschrieben zu haben, diese aber mittels seiner großen Theatererfahrung in lebendigsten Dialogen zu beschrieben. Ahrens Sprache ist sehr jugendgemäß und verleitet dazu, sie im Unterricht auf ihre " Korrektheit" zu überprüfen.  

An Tatjana Reses  " Blueprint"   reizen verschiedene formale Aspekte. Da das Stück auf dem mehrfach ausgezeichneten gleichnamigen Jugendbuch von Charlotte Kerner beruht, bietet sich natürlich ein Medienvergleich an. Reses Dramatisierung verwendet einen dramaturgischen Kniff: sie hat einen Monolog für zwei Personen geschrieben. Dass das kein Widerspruch sein muss, sondern eine adäquate Umsetzung des Inhalts des Buches, belegt dieses Stück. Das Stück ist kurz und leicht zu lesen und drängt den Schülern geradezu die sie beherrschende Frage " Wer bin ich?" auf.  

Der Autor Lutz Hübner ist im Deutschunterricht inzwischen kein Unbekannter mehr. Gerade seine Stücke " Das Herz eines Boxers" (Jugendlicher kommt in Kontakt mit dem Bewohner eines Altersheimes) und " Creeps" (3 junge Mädchen in einer Casting-Situation) werden nicht nur häufig an den Bühnen gespielt, sondern auch im Unterricht behandelt. In dem vorliegenden Band ist  " Nellie Goodbye"   (2003) abgedruckt. Wie bei allen Stücken von Lutz Hübner identifizieren sich auch hier die Schülerinnen und Schüler schnell mit den Figuren des Stückes und werden mit den Höhen und Tiefen der Geschichte konfrontiert. Das Stück bietet sich auch an für eine Unterrichtseinheit über populäre Musik und die dazugehörende Industrie.  

Die Behandlung von Theaterstücken im Unterricht hat sich in den letzten 40 Jahren gewandelt: stand bis in die siebziger Jahre die Analyse und Interpretation des literarischen Dramentextes an erster Stelle, so ist in den letzten Jahrzehnten die theatralische Dimension des Stückes in den Vordergrund gerückt. Dazu beigetragen haben handlungsorientierte Unterrichtsmethoden und eine  " aufführungsbezogene Lektüre"   (Payrhuber, 5). Mittels dieser wird der szenische Text im Unterricht teils nachgespielt, die Schüler lesen die Dialoge mit verteilten Rollen und wechseln diese, um sich in Empfindungen und menschliche Erfahrungen einfühlen zu können.  

Sprache und Sprachgebrauch zu fördern hat Priorität in allen Lehrpläne. Schüler sollen die grundlegende Bedeutung der Sprache als Verständigungsmittel erkennen, Sätze grammatikalisch richtig bilden und normgerecht schreiben. Dieses wird geschult durch Lesen und Umgang mit Texten. Hierfür eignet sich die szenisch-dialogische Sprache der dramatischen Literatur mit ihren Differenzierungen der gesprochenen Worte unterschiedlicher Personen, ihrer Soziolekte und Jargons. Eine Sprachanalyse schult die Reflexionsfähigkeit der Schüler, trägt zu Problemlösungen und kreativen Gestaltungsmöglichkeiten bei. Die Beschäftigung mit der Sprache des Dramas ermöglicht nicht nur Weltaneignung sondern auch teilnehmende Mitgestaltung.  

Leseförderung hat ebenfalls eine hohe Priorität und der positive Nutzen, gepaart mit einer Freude, die beim Lesen entstehen kann, steht außer Frage. Gerade Kinder und Jugendliche tauchen beim Lesen in andere Welten ein, imaginieren und identifizieren sich mit Rollen und Figuren. Voraussetzung ist allerdings, dass ihnen altersgemäße und ihre Interessen treffende Texte angeboten werden. Bei dieser Auswahl hat die Schule Verantwortung und muss Unterstützung geben. " Lesefreude" und " kulturelle Bildung" müssen sich nicht widersprechen, wie sich am Beispiel der Lektüre der hier abgedruckten Jugendstücke belegen lässt.   Alle drei Stücke können von der 8. bis 10. Klasse gelesen werden und eignen sich bestens für den Einstieg in die Dramenlektüre. Mit der Auswahl und Empfehlung dieser Stücke geht es nicht um die Konfrontation mit den " alten" Texten, es geht um Ergänzung für einen zeitgenössischen Deutschunterricht.  

Anmerkungen:  

(1) Paul Maar: Zwei Autoren im Gespräch, in: Paul Maar, Max Schmidt (Hrsg.): Vorhang auf und Bühne frei!, Baltmannsweiler 1998, S.79.  

(2) Hessisches Kultusministerium: Lehrplan Deutsch, Gymnasialer Bildungsgang, 2005, S.2  

(3) Ministerium für Schule des Landes Nordrhein-Westfalen: Kernlehrplan Deutsch für das Gymnasium, 2004, S. 22  

(4) Staatssekretär Helmut Rau anlässlich der Eröffnung des Symposiums " Literatur in der Schule" am 6.7.2005 im Deutschen Literaturarchiv Marbach, S. 3  

(5) Franz-Josef Payrhuber: Dramen im Unterricht, in: Lange, G., u.a.: Taschenbuch des Deutschunterrichts, Baltmannsweiler 1999  (Vorwort)