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Publikationen

Droste, Gabi dan (Hrsg.):
Theater von Anfang an!
Bildung, Kunst und frühe Kindheit
Bielefeld: transcript 2009. 256 Seiten
ISBN 978-3-8376-1180-9, ISSN 1436-8056
Preis mit DVD

Künstler, Erzieher und Wissenschaftler erforschen und entdecken Theaterformen für Kinder und mit Kindern bis fünf Jahre. Damit betreten sie Neuland. Zugleich stellen sie grundsätzliche Fragen an die Kunstform Theater und unterziehen die heute gängigen Vorstellungen von Bildung und Teilhabe an Gesellschaft einer kritischen Betrachtung.

Ein facettenreiches Buch, das den aktuellen Stand der Forschung widerspiegelt und Kooperationsmodelle von Kunst, Bildung und Wissenschaft vorstellt. Dem Band ist eine DVD mit Texten, Fotos und Videoclips beigefügt, die das Projekt " Theater von Anfang an!" dokumentieren.  

"Der Band, entstanden aus einem überaus lebendigen Diskussionszusammenhang [...] ist insgesamt das Musterbeispiel einer unvoreingenommenen, erfahrungsgesättigten „theaterpraktischern Empirie“ (Pinkert 121), begleitet von unterschiedlichen Wissenschaften, getragen von ansteckendem Enthusiasmus und einer unbändigen Experimentierlust [...]. Die vorzüglich aufbereitete Sammlung der Beiträge ist wichtig für Praktiker und Theoretikerinnen aus den Bereichen Früherziehung, Theater, Pädagogik, Spiel – und Politik [...]." aus:  Rezension    von Prof. Dr. Wolfgang Nickel auf socialnet, Juli 2009.  

Gabi dan Droste studierte Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte (M.A.) sowie Spiel- und   Theaterpädagogik (UdK). Sie leitete das Projekt " Theater von Anfang an!"

Inhalt

Vorwort – Theater von Anfang an! .............................................. 11

Kontexte – Hintergründe

Kontext: Bildung

 

Theater im Kontext der Bildungsdiskussion

Kindheiten und frühe Bildung in der Gesellschaft ......................... 21

Peter Cloos

 

Kunst und Kreativität von Anfang an –

Erfahrungen und Bedingungen ................................................... 35

Gerd Taube

 

Kulturelle Bildung als ästhetische Bildung .................................. 45

Eckart Liebau

 

Theater für Zweijährige?

Warum nicht! Über das Erleben von Kunst .................................. 59

Stephan Hoffmann

 

Kooperationen im Kontext ästhetischer Bildung.

Zum Zusammenspiel von Kunst und Pädagogik

im Theater für die Allerkleinsten ................................................. 69

Kirsten Winderlich

 

Das forschende Künstlerspiel – Freiheit und eigene Sichtweisen.

Otmar Wagner, Rike Reiniger im Gespräch mit Gabi dan Droste ...... 79

 

Kontext: Kunst

Künstlerische Entwicklung und Diskurse in Europa

 

First Steps – Erste Erträge.

Zu ästhetischen Eigenarten des Theaters für die Jüngsten ......... 87

Gerd Taube

 

internacional, internazionale, international,

 ?????????????, mednaroden –

Internationaler Austausch im Theater für die Allerkleinsten ......... 103

Gabi dan Droste

 

Theater von Anfang an

Wahrnehmung

 "Theater von Anfang an!" – alles auf Anfang?

Von der Einübung sinnlicher Wahrnehmungsweisen .................. 121

Ute Pinkert

 

Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Erlebnisräume.

Der Raum als grundlegender Parameter

des Theaters für die Allerkleinsten ............................................ 131

Caroline Heinemann

 

Alltagstheater ......................................................................... 145

Gerd E. Schäfer

 

Die Wiederentdeckung des Theaters aus dem Geiste

des Kinderspiels. Kirstin Hess im Gespräch mit Gabi dan Droste .. 159

 

Wechselspiel zwischen Darstellern und Zuschauern

Kommunikation ist die Kunst!

Marja Hofmann, Klaus Frenzel, Manuel Krstanovic

im Gespräch mit Gabi dan Droste ............................................. 165

 

Wechselspiele. Die Inszenierung des Theaterrahmens

und die Fragilität der Spielvereinbarungen im Theater

für die Allerkleinsten. Beobachtungen zur Produktion

"Holzklopfen" des Helios Theaters ............................................ 173

Geesche Wartemann

 

Partizipation im ›Erlebnisgarten‹

des Theaters für die Allerkleinsten ............................................. 187

Sinje Kuhn

 

Fragmentarisches Nachdenken

über das Theater für Ganzkleine ................................................ 193

Silvia Brendenal

 

Eltern, Gemeinschaft und Fest

 

Der Erwachsene im Produktionsprozess "Holzklopfen":

Rollen und Funktionen des Begleiters

innerhalb der theatralen Kommunikation ..................................... 203

Elisa Priester

 

"Ich bin sehr gerne hier, weil ich hier Zeit zum Entspannen habe."

Baby Tanz Fest – Musikalische Begegnung

von Babys, Eltern und Künstlern ................................................ 215

Wilma Haass, Marcela Herrera, Nicole Libnau

 

Das große Lalula.

Theater von Anfang an als schönes Erlebnis auf der Basis

von spielerischer, symbolischer und festlicher Interaktion ............. 225

Petra Paula Marquardt

 

Da-lacht-das-kleine-Kind (:)

Melanie Florschütz und Michael Döhnert

im Gespräch mit Gabi dan Droste .............................................. 241

 

Autorinnen und Autoren ............................................................. 247

Materialanhang ......................................................................... 251

 

Vorwort – Theater von Anfang an!

Diesem Buch ging eine Idee voraus und mit ihr entstand ein Projekt: Die  Vision, dass sehr junge Kinder in der Lage sind, Kunst und Theater erleben  zu können, und dass es möglich ist, für sie und mit ihnen Theater zu machen.  Diese Idee ist zusammengefasst in: Theater von Anfang an. 

Idee und Hintergrund

Mit der paradigmatischen Überschrift "Theater von Anfang an!" Vernetzung,  Modelle, Methoden: Impulse für das Feld frühkindlicher ästhetischer  Bildung" begann im September 2006 ein neuartiges Projekt. Es war neuartig, da sich die Beteiligten an Kinder unter fünf Jahren wenden wollten,  und damit an ein junges Publikum, das in Deutschland noch nicht  entdeckt und als kompetentes Publikum, wie sich zeigte, vollkommen  unterschätzt war.

Auch der Ansatz des Projektes und sein Setting waren ungewöhnlich: Künstler und Künstlerinnen, Erzieherinnen und Erzieher sowie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an vier Orten der Bundesrepublik sollten in einer selbst zu bestimmenden Versuchsanordnung das Theater für kleine Kinder und mit kleinen Kindern gemeinsam erforschen. Das bundesweit angelegte Projekt des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland bot den Rahmen. Die Beteiligten an jedem Ort entschieden selbst über die Art und Weise der Durchführung, über Wege der Begegnungen, über Umfang, Intensität und Inhalte, abhängig von den strukturellen Möglichkeiten, den personellen Kapazitäten, abhängig aber auch von ihren individuellen pädagogischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Ansätzen. Sie entwickelten ihre Arbeit inhaltlich, strukturell und in der Abfolge der Arbeitsschritte sehr unterschiedlich, sie erlebten Höhen und Tiefen, erarbeiteten und entdeckten Gemeinsamkeiten und manchmal fanden sie diesen Punkt nicht und ihre Wege trennten sich. Nach zwei Jahren waren theaterpädagogische Projekte mit Kindern im Kindergarten- und im Krippenalter entstanden, Inszenierungen für Kinder ab zwei Jahren, das "Baby Tanz Fest" als ein Pilotprojekt für die Arbeit mit Babys, Eltern und  Künstlern und: das erste nationale Festival des Theaters für die Allerkleinsten im Theater Junge Generation 2008 in Dresden mit neun deutschen Produktionen als krönendem Abschluss des Projektes. Die Beteiligten aus Kunst, Erziehung und Wissenschaft haben sich der Herausforderung gestellt, einem Publikum zu begegnen, von dem man nicht viel wusste und das, im Theater vollkommen neu, mit dessen Konventionen nicht vertraut ist. Der Evaluationsbericht des norwegischen Projektes "Glitterbird – Art for the Very Young" (2003-2006) beschreibt die anfängliche Unsicherheit, mit der die Beteiligten dieses Projekts der Kunst für kleine Kinder entgegentraten und den tiefen Eindruck, den diese Arbeit hinterlassen hat.

Dieser Prozess war auch im deutschen Projekt zu beobachten und zu erleben. Die Faszination, die die Arbeit für kleine Kinder und mit kleinen Kindern hinterlässt, war für viele die Motivation, dieses Wagnis immer wieder neu, mit Liebe und Kraft einzugehen und bis zum Schluss zu verfolgen. Diese Begeisterung ist auch in der vorliegenden Publikation spürbar.

Die am Projekt "Theater von Anfang an!" beteiligten Künstlerinnen und Künstler, Erzieherinnen und Erzieher, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen auf eindrucksvolle Weise, dass es möglich ist, Theater für die Allerkleinsten und mit ihnen zu verwirklichen und dass auch Erwachsene im Theater für die Allerkleinsten Kunst erleben können, die in ihrer scheinbaren Einfachheit von hoher künstlerischer Qualität ist. Die in diesem Theater entwickelten künstlerischen Formen begeistern auch Erwachsene. Silvia Brendenal, eine der Protagonistinnen im Theater für die Allerkleinsten, hat für dessen integratives Potenzial ein sehr schönes Bild gefunden:

 "Es scheint, als erfahre sich das Theater im Theater für Ganzkleine neu. Nicht nur, weil es Menschen unterschiedlicher Generationen an einen Tisch bittet und diese gleichermaßen bedient und damit eine Aufgabe übernimmt, der sich die Gesellschaft zu oft verweigert, sondern auch, weil es die Schöpfung von Kunst auf lustvolle Weise öffentlich macht […]."

Durch Projekte wie "Theater von Anfang an!" wird das Theater als ein Ort geöffnet und gestaltet, an dem nicht nur das herkömmliche Kindertheater hinterfragt wird, sondern auch neue Möglichkeiten der Begegnung stattfinden können: Erwachsene, Eltern wie Erzieher und Großeltern, können hier, auf eine für sie vielleicht ungewöhnliche und neue Weise, mit Kindern in Kontakt treten und eine andere Qualität der Beziehung zu ihnen entdecken.

Gesellschaftlich steht die Umsetzung des Paradigmenwechsels, hin zu einer Vorstellung, nach der das Kleinkind ein mit vielen Kompetenzen ausgestatteter Mensch ist, immer noch aus. Die Mitwirkenden am Projekt "Theater von Anfang an!" haben mit ihren Ideen zu Kunst, Erziehung und Wissenschaft wesentliche Impulse zu dieser notwendigen Neubewertung aufgezeigt.

Zum Buch

Die hier vorliegende Publikation führt eine Vielzahl von Perspektiven auf das Theater für die Allerkleinsten zusammen: Einige der am Projekt Beteiligten haben ihre Erfahrungen unter bestimmten thematischen Setzungen reflektiert und geben mit ihren Beiträgen in diesem Buch neue Impulse für die Fortsetzung der Debatte. Darüber hinaus greift die Publikation Denkanstöße externer Referenten auf, die für den Diskussions- und Projektverlauf wichtig waren. Die Texte sind unabhängig voneinander entstanden und hier in übergreifenden Themenblöcken lose gruppiert. Wichtige Diskussionsanlässe im Projekt und zum Teil für einige auch erste ›sichtbare Beispiele‹ für die Frage, wie eine Aufführung für sehr junge Kinder aussehen kann, waren die Aufführungsbesuche von Inszenierungen aus Europa, insbesondere aus Frankreich. Einige Autorinnen und Autoren nehmen in ihren Ausführungen daher Bezug hierauf, und reflektieren ihre Fragestellungen anhand dieser; sie wurden in das Buch aufgenommen, da sie wesentliche Aspekte und Fragestellungen an diese Kunstform aufwerfen und so den Diskurs qualitativ voranbringen.

HINTERGRÜNDE

Die "Kontexte" stellen den Auftakt der Publikation dar. Unter diesem Titel sind die Artikel zusammengefasst, die das Diskussionsumfeld des Projektes wiedergeben und Zusammenhänge darlegen, welche den Grundstein für die Entwicklung des Theaters für Ganzkleine in Deutschland gelegt haben: zum einen die Debatte über Bildung in der frühen Kindheit, und die damit einhergehende Frage nach der Bedeutung der ästhetischen Bildung, zum anderen die künstlerischen Entwicklungen in Europa.

  Kontext: Bildung

 Theater im Kontext der Bildungsdiskussion

 Theater – sehen und spielen – ist Teil ästhetischer Bildung.

 Der Kontext "Bildung" steht am Anfang der Publikation und skizziert damit den Hintergrund, vor dem Projekte wie "Theater von Anfang!" in Deutschland angeschoben und diskutiert werden. Theater für die Allerkleinsten wird in diesem Themenkomplex als wichtiger Bestandteil der frühkindlichen Bildung hervorgehoben.

Prof. Dr. Peter Cloos, Juniorprofessor für Pädagogik der frühen Kindheit, geht der Frage nach, inwieweit sich die kulturpädagogische und künstlerische Praxis an den Kindern orientiert und welche Fragen und Kindheitsbilder diese Praxis prägen. Seine Gedanken verorten sich im Spannungsfeld einer Kultur für Kinder und einer Kultur der Kinder. Dr. Gerd Taube, Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums der Bundesrepublik Deutschland, greift die bildungspolitische Debatte im Dreieck von Politik, Bildungseinrichtungen und Familie auf und skizziert den Konflikt zwischen Kunst und Pädagogik.

Der sich daran anschließende Beitrag von Prof. Dr. Eckart Liebau, Inhaber eines Lehrstuhls für Pädagogik, fragt nach dem Beginn kultureller Bildung als ästhetischer Bildung und erörtert in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Theaters für die Allerkleinsten. Auch der Theaterpädagoge Stephan Hoffmann stellt die Frage nach einem Theater für Zweijährige im Bildungskontext und orientiert sich dabei nicht nur an seinen praktischen Erfahrungen, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf den Kant’schen Begriff der "Schönheit", der seiner Meinung nach für alle Altersstufen gilt.

Grundsätzliche Überlegungen, welche Bedingungen eine Kooperation zwischen Erziehung, Kunst und Wissenschaft befördern, stellt Dr. Kirsten Winderlich, promovierte Kunstpädagogin, an und hebt eine ›forschende Haltung‹ aller Beteiligten als eine besondere Möglichkeit heraus.

Ihre kontextunabhängige Position erklären der Performancekünstler Otmar Wagner und Rike Reiniger, die künstlerische Leiterin des Puppentheaters am Theater Junge Generation Dresden, in einem Interview, das zugleich den Abschluss des Themenblockes darstellt.

 

Kontext: Kunst

Künstlerische Entwicklung und Diskurse in Europa

Der Kontext "Kunst" wird durch zwei Artikel aufgegriffen, in denen künstlerische Entwicklungen zur Zeit des Projektbeginns beschrieben werden. Eine Zusammenfassung des Standes der künstlerischen Diskussion in Deutschland unternahm Dr. Gerd Taube im Februar 2006 mit einem Text, der auf der Basis eines Abschlussvortrages während des internationalen Symposiums "First Stepps" im September 2005 im Helios Theater, Hamm entstand, aus theaterwissenschaftlicher Perspektive. Aus heutiger Sicht beschreibt der Essay die damaligen Startbedingungen für die Entwicklung des Theaters für die Jüngsten in Deutschland.

Gabi dan Droste legt einige maßgebliche Impulse aus Europa für die künstlerische Entwicklung des Theaters für die Allerkleinsten in Deutschland zu Beginn des Projektes dar und entwirft über die Darstellung des europaweiten Netzwerkes des Theaters für die Allerkleinsten "small size" ein Bild der aktuellen Theaterlandschaft in Europa. 

THEATER VON ANFANG AN

Folgende Artikel greifen spezifische Fragestellungen und Aspekte des Theaters von Anfang an auf und reflektieren diese. Dabei ließen sich die eingegangenen Beiträge schließlich unter drei thematischen Schwerpunkten gruppieren: Wahrnehmung/Wechselspiel Spieler und Zuschauer/ Eltern, Gemeinschaft und Fest. Die Aufsätze überschneiden sich zwar thematisch, haben aber keinen gemeinsamen Ausgangspunkt für ihre Betrachtungen.

Wahrnehmung

Eine der Grundfragen im Theater für die Allerkleinsten zielt auf die besonderen Wahrnehmungsweisen von kleinen Kindern und wie man diese ins Verhältnis zur Kunstproduktion setzen kann. Die Berliner Professorin für Theaterpädagogik, Ute Pinkert, sieht in den Wahrnehmungsbedingungen von kleinen Kindern eine große Herausforderung für das Theater als historisch entwickelte Kunstform und gerade darin liegt ihrer Ansicht nach eine Chance für die Entwicklung spezifischer künstlerischer Gestaltungsformen allgemein.Die Kulturwissenschaftlerin Caroline Heinemann diskutiert die von ihr formulierte These, nach der das Theater von Anfang an eine spezifische Raumgestaltung benötige, die die Trennung zwischen Zuschauern und Spielern durchlässig mache und den Kindern intermodale Wahrnehmungsmöglichkeiten gestatte. Vier verschiedene Formate kindlichen Denkens beschreibt der Universitätsprofessor für Pädagogik der frühen Kindheit, Gerd E. Schäfer, und geht der Frage nach wie Kinder denken, wenn sie auf die Welt kommen und wie sich ihr Denken in der frühen Kindheit entwickelt. Am Schluss dieses Kapitels erzählt die Dramaturgin und Regisseurin Kirstin Hess in einem Interview, wie die Beschäftigung mit diesen Fragen ihre ersten Inszenierungen im Theater für die Allerkleinsten begleitet hat.

Wechselspiel zwischen Darstellern und Zuschauern

Das Theater für die Allerkleinsten wird insbesondere geprägt durch das Wechselspiel zwischen Darstellern und Zuschauern. Dessen Zerbrechlichkeit beschreibt das Ensemble der Dresdener Inszenierung "Funkeldunkel Lichtgedicht" in einem Interview mit dem treff enden Bild einer Seifenblase und spricht über die Kunst des Schauspielens für kleine Kinder. In der Annahme, dass sich gerade die Kunstform Theater in einem Moment der kollektiven Kreativität realisiert, reflektiert Geesche Wartemann, Professorin für Kinder- und Jugendtheater, die Inszenierung des Theaterrahmens und die Fragilität von Spielvereinbarungen im Theater für die Allerkleinsten.

Die Spezifika des Verständnisses von Partizipation im Theater für die Allerkleinsten, auch im Gegensatz zu Strategien, die mit partizipativen Inszenierungsmodellen im Erwachsenentheater verfolgt werden, legt Sinje Kuhn dar.

Ausgehend von ihren langjährigen Erfahrungen mit Inszenierungen aus Frankreich denkt Silvia Brendenal, künstlerische Leiterin der Schaubude Berlin, über das ›künstlerische Alphabet‹ des Theaters für Ganzkleine, auch in Deutschland, nach. 

Eltern, Gemeinschaft und Fest

Kleine Kinder kommen nicht allein ins Theater. Diese einfache Feststellung  ist zugleich elementar für das Verständnis des Theaters von Anfang an. Wie bezieht man die ›erwachsenen Begleiter‹ und besonders die Eltern ein? Und wie stiftet Theater ein gemeinschaftliches Erlebnis? Die vielfältigen Funktionen und Rollen des Erwachsenen in einer Aufführung und seine Position im Wechselspiel von Bühne und Zuschauerraum erörtert die Kulturwissenschaftlerin Elisa Priester. Eine besondere Form der Arbeit mit Eltern und Babys, das Baby Tanz Fest, stellen Wilma Haass, Marcela Herrera und Nicole Libnau dar. Das Fest wurde erstmalig als Pilotprojekt am Projektstandort Mannheim realisiert. Hieran schließt sich ein weiterer Beitrag aus Mannheim an: Petra Paula Marquardt, Diplom- Pädagogin und Diplom-Sozialpädagogin, beschreibt und reflektiert auf anthropologischer Basis, in der Auseinandersetzung mit den zentralen Begriffen ›Spiel‹, ›Symbol‹ und ›Fest‹ bei Gadamer, die am Projektstandort Mannheim gewonnenen Erkenntnisse.

Der hier auftauchende Gedanke von Theater als Fest und gemeinsamem Erlebnis klingt auch in dem Gespräch mit den Berliner Künstlern Michael Döhnert und Melanie Florschütz an, wenn sie über den kindlichen und ihren eigenen Humor bei der Theaterarbeit sprechen.

Debatten und Ausblick

Die modellhafte Zusammenarbeit von Kunst, Wissenschaft und Erziehung stieß bundesweit auf eine unerwartet große öffentliche Resonanz und verursachte bewegende Debatten. Vor allem auf künstlerischer Ebene wurde eine wichtige Diskussion in Gang gebracht; hier sind die Veränderungen bislang am deutlichsten sichtbar. Wie die Anregungen aus dem Projekt auch im Alltag von Kindertagesstätten aufgegriffen, in die Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher oder den wissenschaftlichen Diskurs eingehen werden, bleibt abzuwarten. Auch zukünftig werden Künstlerinnen und Künstler, Erzieherinnen und Erzieher und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam agieren müssen, wenn es um die Weiterentwicklung der ästhetischen Bildung von kleinen Kindern und die Entwicklung der Kunst für sie geht. Diese Publikation liefert einen Beitrag für die Zukunft des Theaters für die Allerkleinsten und gibt den Leserinnen und Lesern Anregungen aus Praxis, Theorie und Wissenschaft.

Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik

Deutschland plant zudem, eine Sammlung von Spielen für das Theater mit kleinen Kindern herauszugeben. Hier werden Theaterpädagoginnen und Theaterpädagogen sowie Erzieherinnen und Erzieher ihre erprobten Spiele vorstellen und mit ihren Reflexionen dazu anregen, Eigenes auszuprobieren.

Mein tiefer Respekt und Dank gilt den Menschen, die mit beeindruckender Ernsthaftigkeit, Beweglichkeit und großer Entdeckungslust sich dem Theater für die Allerkleinsten gewidmet haben. Auch hiervon zeugt die Publikation.

Meinen Dank möchte ich auch der Stiftung Deutsche Jugendmarke e.V. aussprechen – nur durch ihre Unterstützung war das Projekt und die Umsetzung der Ausgangsidee möglich: Kleine Kinder können Kunst und Theater erleben. Von Anfang an!

Gabi dan Droste

Projektleiterin ?Theater von Anfang an!?