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Publikationen

Droste, Gabi dan (Hrsg.):
Theater von Anfang an!
Reflexionen und Positionen für die Praxis
Frankfurt (Main) und Berlin: Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland 2011. 63 Seiten
ISBN 978-3-930759-41-5

Die bundesweite Initiative Theater von Anfang an! hat den Beteiligten die Möglichkeit eröffnet, im Dreieck Kunst, Bildung und Wissenschaft Theaterformen mit Kindern und für Kinder im Alter bis zu fünf Jahren zu erforschen. Das Arbeitsheft 5. Theater von Anfang an! beruht auf den in diesem Zusammenhang und in Folgeprojekten gemachten Erfahrungen und Erkenntnissen. Theaterpädagoginnen und Erzieher/innen stellen ihre Erfahrungen in der Theaterarbeit mit kleinen Kindern vor. Sie verorten ihre Praxis in Kontexte und reflektieren diese. Das Arbeitsheft bringt verschiedene Perspektiven aus Theaterpädagogik, Erziehung, Bildung, Wissenschaft und Kunst zusammen. Die hier dargestellten Positionen und Reflexionen sollen anregen, Eigenes auszuprobieren und die Debatte über Potenziale und das Selbstverständnis von Theater von Anfang an bereichern.

Das Heft richtet sich an der Theaterform Theater von Anfang an! Interessierte, vor allem an Erzieher/innen, Theaterpädagogen/innen und Kolleginnen und Kollegen, die in Theatern oder in der Fort- und Ausbildung von Erzieher/innen und Theaterpädagogen/innen arbeiten.

Auszug aus dem Editoral von Gabi dan Droste   

[...] Die Juniorprofessorin Isabel-Vanessa Reinwand plädiert für eine kritische Einschätzung der Bildungswirkung von Kunst und Theater für kleine Kinder, wenn sie fragt: " Welchen Beitrag können die Künste wirklich für eine optimale frühe Entwicklung unserer Kinder leisten?" . In der Vernetzung der Künste sieht die Bewegungskünstlerin Sabine Lippold eine zwischen den Künsten verankerte Methode und eine reichhaltige Quelle für Lernen. " […] auf dem Weg zu einem gemeinsamen Bildungsverständnis" untertitelt der Bildungsreferent Stephan Hoffmann seinen Artikel und bringt damit die Wichtigkeit des gemeinsamen Austausches und des Verständigungsprozesses auf den Punkt, die aus meiner Sicht nur mit Hilfe eines transdisziplinären Ansatzes realisierbar ist.   

Welches kommunikative und soziale Potenzial Theater im Kita-Alltag entwickeln kann, wenn es vielschichtig in das Leben einer Kita eingewoben wird, wird im Text von Petra Franke, Leiterin des Theaterkindergartens FunkeldunkelLichtgedicht in Dresden, deutlich. Theater kann neue Wege der Kommunikation nicht nur innerhalb der Kita, sondern auch zwischen Institutionen etablieren. So hat die Theaterpädagogin Bettina Seiler mit der Spiel-Zelt-Welt, eine theatrale Heranführung von kleinen Kindern an Theaterformen, ein neues Format in der Kita erprobt, bei dem sich die Kindertagesstätte dem Theater öffnet und das Theater in die Kita geht. Das Projekt, wie auch das Konzept des Kindergartens, sind Beispiele für die Gestaltung von Kooperationsformen zwischen Theater und Kita. Sie stellen anregende Diskussionsbeiträge zu einem stetig wachsenden Feld der Kooperationen dar und behandeln einen Themenkomplex, der tonangebend in der Debatte über frühkindliche Bildung werden wird.   

Im Schlussteil ihres Beitrages verweist Bettina Seiler auf die Diskussion zwischen den Fachkollegen, ob dieses Format Spiel oder Theater sei hier klingt ein weiterer zu diskutierender Aspekt an: die Auslegung des Begriffes Theater. Sprechen wir – hier und im Theater von Anfang an im Allgemeinen – von Spiel(-en)? Oder von Theater? Von welchem Theaterverständnis gehen wir aus? Auf diese Fragestellungen folgt unweigerlich der Blick auf gegenwärtige Theaterformen: Wie sieht es mit Ansätzen aus, die von zeitgenössischen Theaterformen und der Performance inspiriert worden sind, die sich ganz bewusst von Kategorien des Als-obs abwenden und Spiel(-en) ins Spiel bringen? Die Kulturwissenschaftlerinnen Caroline Heinemann und Elisa Priester gehen von einem anderen, von der Performance angeregten Theaterbegriff aus, in dem Interaktion und Rezeption ineinanderfließen und Wahrnehmung eine zentrale Rolle spielt. Formen und Methoden des zeitgenössischen Theaters sind Annetta Meißner-Jarasch Meinung nach nah an Kindern dran. Mit ihnen baut sie einen dramaturgischen Rahmen, in dem Vorschulkinder spielerisch ihr eigenes Empfinden ausdrücken und einen Bezug zur ihrer Lebenswirklichkeit herstellen können.   Die Theaterpädagogin und Regisseurin Marcela Herrera und die Theaterpädagogin Katrin Jung nehmen die Kernelemente des Theaters Raum, Gruppe, Klang und Licht als Ansatzpunkte für das Spielen mit kleinen Kindern und lassen ihren Wert für das ästhetische Erleben von kleinen Kindern deutlich werden.   

Einen weiteren Aspekt in Bezug auf die Debatte über Theater von Anfang an eröffnen die Theaterpädagogin Stefanie Jerg und die Kamera-Ethnographin Bina Elisabeth Mohn: In ihren Ausführungen werden das asymmetrische Verhältnis von Erwachsenen und Kindern in ihrer Begegnung und die Fragen, die sich den Erwachsenen hierdurch stellen, augenscheinlich. Jerg überprüft den klassischen Methodenkoffer der Spielleiterin auf seine Tauglichkeit für die Arbeit mit kleinen Kindern in der Anfangsphase eines Projektes, Mohn beleuchtet stumme Praktiken des Beobachtens und begreift die Aufführungssituation als eine Beobachtungssituation.   

[...] Theater von Anfang an hat das Potential zu verunsichern. " Das Theater von Anfang an ist für uns ernsthafte Forschung geworden." , so schließt die Dramaturgin Kirsten Hess ihren Text, in dem sie enthusiastisch beschreibt wie sich ein ganzes Theater zu einer grundlegenden Überprüfung seiner Mittel veranlasst sieht, weil bisher probate Mittel des Theaters hier nicht funktionieren.   

Den Begriff der Forschung möchte ich damit am Ende des Arbeitsheftes mit Blick in die Zukunft stehen lassen. Für die weitere Entwicklung des Theaters von Anfang an scheint mir wesentlich, diese kreative Verunsicherung fruchtbar zu machen, Fachkompetenzen aus Kunst, Wissenschaft und Erziehung zusammenzubringen und in einem gemeinsamen Austausch der Perspektiven das Potential von Theater von Anfang an zu entdecken und zu kreieren und damit einen Baustoff zu liefern für die ästhetische Bildung von Anfang an!