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Publikationen

Kirschner, Jürgen (Hrsg.):
Kinder- und Jugendtheater auf Tournee.
Startinformation für Veranstalter und Theater. Cramer von Laue, Constanze (Mitarb.)
Frankfurt (Main): Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland 1996. 16 Seiten
ISBN 3-930759-02-0, ISSN 1431-2131

Die Reihe " Startinformationen" bieten allen Interessierten einen schnellen Überblick zu einzelnen Gebieten des Kinder- und Jugendtheaters.
" Kinder- und Jugendtheater auf Tournee" gibt den VeranstalterInnen und Theatergruppen als Vertragspartner eine Checkliste zur Planung von Gastspielen an die Hand und stellt für beide Seiten wichtige Informationen bereit, denn Gastspielbetrieb ist für das Kinder- und Jugendtheater Alltagssituation. Dazu wird auf Qualifizierungsmöglichkeiten für VeranstalterInnen, die Kinder als spezielles Publikum, auf Theater, Kulturzentren und Festivals im Ausland sowie auf Organisationen und Verbände hingewiesen. Die Beilage " Kinder- und Jugendtheater im Rhein-Main-Gebiet" stellt Angebote der VeranstalterInnen, die professionelles Theater für Kinder und Jugendliche organisieren, für das Publikum zusammen.

F R E I R A U M O D E R Z W I C K M Ü H L E

Die Spielplanangebote für Kinder und Jugendliche in einer Region resultieren aus dem Zusammenspiel von verschiedenen Strukturelementen. Die öffentlichen Hände, das Theaterangebot, das Publikum und die Marktsituation begrenzen bzw. ermöglichen den jeweiligen Spielplan. Das Kinder- und Jugendtheater ist den öffentlichen Händen zunächst durch die Produktionsstätten und Aufführungsorte verbunden. Wenn nicht in privaten Räumen geprobt und auf der Straße gespielt wird, findet Theaterarbeit vielfach in öffentlichen Räumen statt. Da die Privattheater und freien Gruppen einen Großteil der Gastspiele bestreiten, werden sie auch besonders mit Orten konfrontiert, die entweder nicht oder nur 'auch' für das Theater konzipiert worden sind. Zumindest wurden sie kaum für das Kinder- und Jugendtheater gebaut. So kann das für kleine und mittlere Publikumszahlen erarbeitete Kinder- und Jugendtheater die Kapazität der großen Bürgerhäuser nie füllen. Daneben fördern die öffentlichen Hände das tournierende Kinder- und Jugendtheater finanziell, z. B. durch die Subventionierung einzelner Gastspiele. In Zeiten schwindender öffentlicher Mittel stehen aber Theaterräume wie Gagen des Kinder- und Jugendtheaters zur Disposition. Doch auch die Qualität des Kinder- und Jugendtheaters hat ihren Preis. Niedrige Gagen garantieren nur eine minderwertige Aufführung oder beruhen auf Selbstausbeutung der Theater, die wiederum auf die Qualität durchschlägt. Auch die Ermöglichung hoher Gagen durch eine maximale Platzausnutzung großer Häuser verhindert das geplante Theaterereignis, das eine bestimmte Inszenierung mit bestimmten Raumgrößen und Publikumsmengen in Beziehung setzt.

Das Publikum besucht das Kinder- und Jugendtheater selten aus eigenem Antrieb, denn Kinder und Jugendliche verfügen im Allgemeinen nicht einmal über eine adäquate Information über das Theaterangebot. Der Theaterbesuch wird meistens durch Eltern oder ErzieherInnen angeregt. Die Theater bzw. VeranstalterInnen wenden sich also nicht an die jungen ZuschauerInnen selbst, sondern an Multiplikatoren bzw. mit der Erziehung beauftragte Eltern, LehrerInnen etc. Die Kindergartenkinder oder SchülerInnen erfahren dann den Theaterbesuch häufig als Erlebnis innerhalb der gewohnten Gruppe, also auch im Kontext der jeweiligen Sozialisationsinstanz. Hinter der Hälfte der Besuche steht aber ein Freizeiterlebnis mit Geschwistern und Verwandten. Die Aufführungen des Kinder- und Jugendtheaters sind in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern angesiedelt. Sie berühren sich mit der Sozialarbeit (Jugendhaus), dem Bildungswesen (Schule), dem Kulturbereich (Bürgerhaus), dem Theater (Mehrspartentheater mit Gastspielbetrieb) und der Kinder- und Jugendarbeit (Kinderkulturzentrum). Über diese situationsbedingte Verbindung hinaus bieten die Theatergruppen vielfach eine theaterpädagogische Betreuung an, die mit unterschiedlichsten Mitteln auf die jeweiligen Gegebenheiten des Publikums vor Ort eingeht. Sie reicht von der Reflexion des Zuschauerverhaltens über Gespräche mit dem Publikum bis hin zu komplexen Mitspielaktionen im Umfeld der Aufführung. Auch das Verhältnis der AnbieterInnen einer Region untereinander beeinflußt das gesamte Angebot. Vom informellen Informationsaustausch reichen die Möglichkeiten bis zur Kooperation im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung bzw. übers Jahr, damit einzelne Theater durch Anschlußtermine überhaupt für ein Gastspiel gewonnen werden können. Da das Kinder- und Jugendtheater erst zwei von fünfzehn Millionen Kindern erreicht, muss eine dichtere Angebotsstruktur die Konkurrenz noch nicht fürchten. Dazu trägt die gemeinsame Organisation von Veranstaltungen auch dazu bei, dass die Öffentlichkeit über eine entsprechende Werbung das Kinder- und Jugendtheater einer Region als Ganzes wahrnehmen kann.

Jürgen Kirschner