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Publikationen

Richard, Jörg (Hrsg.):
Theater im Generationenverhältnis.

Frankfurt (Main): Haag + Herchen 1999. 261 Seiten
ISBN 3-86137-828-0
Vergriffen!

Ein Rückblick auf das Jahrhundert des Kindes – ein Ausblick auf die Kinderkultur, die Medien, den Markt und die Machtverschiebungen in diesem Jahrhundert – die Vorstellung von Modellgeschichten zum Generationenverhältnis.  Darstellungen zur Rolle des Erzählens in Literatur, Theater und Medien – zum Feindbild Fernsehen von einem Theaterfreund und TV-Redakteur – zum Verhältnis von Theater, Simulation und Virtualität – zur Praxis von Utopien im Theater des Chrisoph Schlingensief – zum Theater als Pädagogium und moralische Anstalt – zu aktuellen Stücken und Aufführungen des Kinder- und Jugendtheaters.  Tagebuchnotizen eines Intendanten über das Gedächtnis des Publikums – ein Theaterbrief einer Dramaturgin an ihren Sohn – Positionsmarkierungen von Theatermachern im Gespräch.

Dietrich Kuhlbrodt: Das Ende der Utopien in Jugend, Gesellschaft und Theater? Die Themastellung drückt eine Sorge aus. Der Blick, forschend ins Ungewisse gerichtet, verengt sich. Er focussiert wie selbstverständlich eine Jugend, die nach dem Lebensalter definiert wird, und ein Theater, das sich nach dem Spielort und womöglich dem Subventionsetat bestimmt. Wenn hier das utopische Bewußtsein nicht recht ausgemacht werden kann, wäre es doch möglich, es woanders anzutreffen. Um zu verhindern, daß wir das Ende der Utopie in Jugend, Gesellschaft und Theater lediglich auf Grund von Definitionsvorschriften ausrufen, soll der Versuch gewagt werden, die begrifflich wünschenswerten, möglicherweise aber riskanten kategorialen Grenzziehungen zwischen den Generationen und zwischen Theater und anderen Medien wenigstens probehalber außer Kraft zu setzen und eine Jugend zu imaginieren, die im gesellschaftlichen Raum flottiert. Wie wäre es, wenn ein Jugendlicher im Erwachsenen anzutreffen ist oder wenn im gesellschaftlichen Raum losgelöst von der Bühne Theater gemacht wird? Wir werden uns daher bemühen, den Blick frei umherschweifen zu lassen, um die Möglichkeit nicht zu verpassen, die von uns vermißte Utopie dort wieder anzutreffen, wo sie der Suchscheinwerfer verloren hat: in der gesellschaftlichen Alltagskultur beispielsweise.  Auf dieser begrifflich sicherlich abenteuerlichen Reise wollen wir Ausgrenzungen und andere eher bürokratische Kontrollen vermeiden wir müssen uferlos werden, bevor wir wehklagen, Utopie sei an das Flußbett Jugend gebunden, die Jugend vertrockne, also sei Utopie abhandengekommen. Den Diskurs, der zu unserem Thema so niveauvoll geführt wird, wollen wir in den Fußnoten ein wenig zur Kenntnis nehmen doch in Sorge, daß er zudeckt, was wir finden wollen, verlassen wir das wohl geordnete Feld repräsentativer Aussagen. Wir werden versuchen, uns auf eigene Faust Richtung Utopie durchzuschlagen. Als Führer und Weggefährten soll uns einer der Experimentatoren dienen, die darin geübt sind, abseits der Markierungen ihren Weg zu finden: außerhalb des Theaters, im Theater, außerhalb der Generation, innerhalb der Generation. Christoph Schlingensief scheiterte 1998 als Kandidat für den Bundestag.  Annette Reber: Theaterbrief an mein Kind 4. September 1998 Mein Jonah. Seit Deinem ersten Schrei in einem Berliner Kreißsaal verfolgt uns dieser Scherz. Nur weil Dein Vater Schauspieler ist und Deine Mutter ebenfalls an einem Theater beschäftigt, werden Deine stimmlichen Qualitäten fast unweigerlich mit einem " Na, der geht mal auf die Bühne" kommentiert. Ebenso unweigerlich antworten wir solo oder im Chor " um Gottes Willen..." . Ob unsere beruflichen Erfahrungen ausreichend miserabel sind, um einem geliebten Menschen keinen längeren Aufenthalt am Theater zu wünschen, oder ob es sich dabei nur um ein Jahrhunderte altes Stereotyp handelt, was man vorsichtshalber selbst auch ab und zu mal wiederholt – wer weiß. Der dritte mögliche Grund ist noch schrecklicher. Es besteht die Möglichkeit, daß es das Theater, wie wir es kennen, dann gar nicht mehr gibt. Und was solltest Du an einem Ort, den es nicht mehr gibt. Das Theater, an dem ich begann, galt als klein, aber es stand in der Hauptstadt und hatte Erfolge, von denen man über diese hinaus schon gehört hatte. Es war ein Theater, in dem jeden Abend ein anderes Stück gespielt wurde, Schauspieler ihr ganzes Berufsleben zubrachten, immer der gleiche Pförtner am Hintereingang saß und der Bühnenarbeiter mit dem Schauspieler zusammen Karten spielte. Und hinter der Bühne roch es unbeschreiblich gut nach Muff. Theatermuff aus Staub, Schminke, Mottenpulver und Schweiß. Das ist gar nicht so lange her. Es war ein Theater, mit dem man sich mehr verlobte, als daß man da angestellt war. Und wenn man so eine Verlobung löste, wie ich es später tat, war das ein gewaltiger Schritt, der weh tat. Wie, wenn man der Familie den Rücken kehrt. Und doch davon träumt, Weihnachten eingeladen zu werden.